MYCAD Newsletter Videothek Dokumentation Support
Nachhaltigkeit

Warum nachhaltiges Bauen langfristig wirtschaftlich ist

Lebenszyklus-CO₂ und Lebenszykluskosten gemeinsam denken

Nachhaltiges Bauen bedeutet längst mehr als energieeffiziente Gebäude zu errichten. Entscheidend ist eine ganzheitliche Betrachtung über den gesamten Lebenszyklus eines Bauwerks hinweg – sowohl aus ökologischer als auch aus wirtschaftlicher Perspektive.

Zwei Ansätze stehen dabei im Mittelpunkt moderner Gebäudeplanung: die Lebenszyklusanalyse (Life Cycle Assessment – LCA) zur Bewertung der Umweltwirkungen eines Gebäudes und die Lebenszykluskostenanalyse (Life Cycle Costs – LCC) zur Bewertung der wirtschaftlichen Auswirkungen über die gesamte Nutzungsdauer.

Erst die Kombination dieser beiden Perspektiven ermöglicht fundierte Entscheidungen für nachhaltige Bauprojekte und zeigt häufig, dass nachhaltige Lösungen nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch wirtschaftlich vorteilhaft sind.

Deutschland als früher Vorreiter der Lebenszyklusbetrachtung

In Deutschland wurde die Lebenszyklusperspektive im Bauwesen vergleichsweise früh strategisch verankert. Mit dem Leitfaden Nachhaltiges Bauen entstand bereits vor vielen Jahren ein strukturierter Rahmen für nachhaltige Gebäudeplanung.

Ein wichtiger Meilenstein folgte 2010 mit der Einführung der ÖKOBAUDAT, einer nationalen Datenbank für Umweltinformationen von Bauprodukten. Sie bildet bis heute eine zentrale Grundlage für Ökobilanzen im Bauwesen.

Auch im Bereich der Zertifizierung wurde früh gehandelt. Das Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB) ist seit 2009 für Bundesbauten verpflichtend. Parallel dazu etablierte sich das privatwirtschaftliche Zertifizierungssystem DGNB, das inzwischen international angewendet wird.

Mit dem Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude (QNG) wurde 2022 schließlich ein weiterer Schritt gegangen. Der Fokus verschob sich deutlich von einer reinen Energiebetrachtung hin zu einer umfassenden Bewertung der Nachhaltigkeit über den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes. Besonders relevant ist dabei die Kopplung an staatliche Förderprogramme, die zunehmend an Nachhaltigkeitskriterien gebunden sind.

Neue europäische Regulierung verändert den Markt

Parallel zu den nationalen Entwicklungen wird das Thema Lebenszyklus-CO₂ auch auf europäischer Ebene immer stärker reguliert.

Mit der überarbeiteten Energy Performance of Buildings Directive (EPBD) wird die Lebenszyklusanalyse erstmals verbindlich im Gebäuderecht verankert. Ab 2028 müssen größere Neubauten ihr Lebenszyklus-CO₂ offenlegen, ab 2030 gilt dies für alle Neubauten.

Gleichzeitig wirkt die EU-Taxonomie zunehmend auf den Kapitalmarkt. Sie definiert, welche wirtschaftlichen Aktivitäten als nachhaltig gelten und führt dazu, dass Investoren und Finanzinstitutionen verstärkt CO₂-Transparenz einfordern. Nachhaltigkeit wird damit auch zu einem wirtschaftlichen Bewertungsfaktor für Immobilien.

Ergänzend verpflichtet der Recast der Bauprodukteverordnung Hersteller künftig dazu, standardisierte Umweltinformationen zu ihren Produkten bereitzustellen. Digitale Produktpässe sollen diese Daten künftig maschinenlesbar verfügbar machen und damit eine wichtige Grundlage für Lebenszyklusanalysen schaffen.

Die entscheidende Phase liegt in der Planung

Auch wenn viele regulatorische Anforderungen erst ab 2028 greifen, beginnt die entscheidende Phase bereits heute.

Die wichtigsten Material- und Konstruktionsentscheidungen eines Gebäudes werden in den frühen Planungsphasen getroffen. Genau hier entsteht jedoch ein Großteil der späteren CO₂-Emissionen und gleichzeitig werden die zukünftigen Kostenstrukturen eines Gebäudes festgelegt.

Ein Gebäude, das zwischen 2025 und 2027 geplant wird, kann bereits gebaut sein, bevor strengere CO₂-Grenzwerte greifen. Formal entspricht es den damaligen Anforderungen – dennoch kann es langfristig wirtschaftliche Nachteile haben.

Mit der Einführung verbindlicher Grenzwerte und steigender CO₂-Kosten wird die ökologische Performance eines Gebäudes zunehmend auch den Marktwert und die Finanzierbarkeit beeinflussen. Gebäude, die diese Anforderungen nicht erfüllen, könnten künftig an Attraktivität verlieren oder teure Nachrüstungen erfordern.

Die zentrale Erkenntnis lautet daher: Wir bauen heute den Gebäudebestand von 2050.
Und das CO₂, das wir 2030 bewerten, wird bereits in der Planung von heute entschieden.

Lebenszykluskosten: Wirtschaftlichkeit über Jahrzehnte

Während die Ökobilanz die Umweltwirkungen eines Gebäudes bewertet, betrachtet die Lebenszykluskostenanalyse die wirtschaftlichen Auswirkungen über seine gesamte Nutzungsdauer hinweg.

Dabei wird deutlich, dass die eigentlichen Kosten eines Gebäudes häufig erst im Betrieb entstehen. Energieverbrauch, Wartung, Instandhaltung und Modernisierung können über Jahrzehnte hinweg ein Vielfaches der ursprünglichen Baukosten ausmachen.

Eine reine Betrachtung der Errichtungskosten greift daher zu kurz. Lebenszykluskostenanalysen zeigen immer wieder, dass langlebige Materialien, effiziente Gebäudetechnik oder intelligente Energiekonzepte trotz höherer Anfangsinvestitionen langfristig wirtschaftlicher sein können.

Hinzu kommt ein weiterer Faktor, der in Zukunft immer stärker ins Gewicht fallen wird: die CO₂-Bepreisung. Mit steigenden CO₂-Kosten wird die ökologische Performance eines Gebäudes zunehmend auch zu einem wirtschaftlichen Kriterium.

Wer diese Aspekte bereits in der frühen Planung berücksichtigt, kann nicht nur Emissionen reduzieren, sondern häufig auch Betriebs- und Folgekosten deutlich senken.

Gebäude als Ressourcenspeicher

Neben Kosten und Emissionen rückt ein weiterer Aspekt immer stärker in den Fokus: die zirkuläre Bauwirtschaft.

Gebäude werden zunehmend als Material- und Ressourcenspeicher verstanden. Werden Bauteile so geplant, dass sie am Ende der Nutzungsphase sortenrein zurückgebaut und wiederverwendet werden können, entsteht ein zusätzlicher wirtschaftlicher Wert.

Digitale Gebäuderessourcenpässe dokumentieren die verbauten Materialien und ermöglichen es, diese Informationen über den gesamten Lebenszyklus hinweg verfügbar zu halten. Dadurch lassen sich Materialflüsse transparenter analysieren und zukünftige Wiederverwendungspotenziale besser nutzen.

Der Schlüssel: Modellbasierte Nachhaltigkeit in der Planung

Damit ökologische und wirtschaftliche Aspekte bereits in der Planung gemeinsam betrachtet werden können, braucht es durchgängige digitale Prozesse. Ausgangspunkt ist das BIM-Modell, in dem Bauteile strukturiert erfasst und mit den notwendigen Informationen zu Materialien, Mengen und Eigenschaften angereichert werden. Auf dieser Datenbasis lassen sich Nachhaltigkeitsbewertungen frühzeitig durchführen, Varianten vergleichen und Optimierungen vornehmen – noch bevor kostenintensive Entscheidungen getroffen oder Bauleistungen vergeben werden. So wird Nachhaltigkeit nicht erst im Nachhinein dokumentiert, sondern aktiv gesteuert. Genau hier setzen die Lösungen von auxalia an: Mit Werkzeugen wie dem auxalia Revit ParameterTool & CircularLCA oder One Click LCA lassen sich BIM-Modelle für Ökobilanzen, Lebenszyklusbetrachtungen und digitale Gebäuderessourcenpässe nutzen und Nachhaltigkeitsanforderungen direkt im Planungsprozess berücksichtigen. Hier finden Sie einen Überblick über unser Lösungsportfolio im Bereich nachhaltige Planung.

Vom BIM-Modell zur Kreislaufstrategie: Jetzt Webinar-Aufzeichnung ansehen

Wie lassen sich Lebenszyklus-CO₂, Materialien und Zirkularität bereits im BIM-Modell bewerten? Im Webinar zeigen wir, wie das mit Revit ParameterTool und Circular LCA direkt in der Planung funktioniert.

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen