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Nachhaltigkeit

Ein Jahr auxalia Ökobilanz-Förderprogramm mit One Click LCA

Warum frühe Ökobilanzierung zum Schlüssel für die Baupraxis wird

Mit der Neufassung der EU-Richtlinie zur Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden (EPBD 2024/1275) hat die Europäische Union einen grundlegenden Wandel für die Bau- und Immobilienbranche eingeleitet. Während sich regulatorische Anforderungen bislang vor allem auf den Energieverbrauch im Betrieb konzentrierten, rückt nun erstmals das Treibhauspotenzial eines Gebäudes über seinen gesamten Lebenszyklus hinweg in den Mittelpunkt. Damit wird die Ökobilanzierung, also die Lebenszyklusanalyse (Life Cycle Assessment, LCA), von einem freiwilligen Nachhaltigkeitsinstrument zu einem festen Bestandteil zukünftiger Planungs- und Genehmigungsprozesse in der EU.

Bereits ab 2024 sind die rechtlichen Grundlagen auf europäischer Ebene geschaffen, die nun schrittweise in nationales Recht überführt werden. Ein wichtiger Zwischenschritt folgt im Jahr 2026: In diesem Jahr etablieren die Mitgliedsstaaten den nationalen GWP-Rahmen. Ziel ist es, die methodischen Grundlagen der Ökobilanzierung verbindlich festzulegen – etwa Berechnungsmethoden, Systemgrenzen und Datenanforderungen – und sie in nationale Regelwerke zu integrieren. Gleichzeitig werden nationale Fahrpläne für Lebenszyklus-GWP entwickelt, die perspektivisch auch Ziel- und Grenzwerte enthalten können. Für die Baupraxis markiert 2026 damit den Übergang von der reinen Vorbereitung zur konkreten Anwendung.

Ein zentraler Meilenstein folgt im Jahr 2028: Neue Gebäude mit mehr als 1.000 Quadratmetern Nutzfläche müssen dann ihr GWP berechnen und offenlegen. Gleichzeitig gilt für Neubauten im öffentlichen Besitz der verpflichtende Null-Emissionsstandard. Ab 2030 wird die LCA schließlich für alle Neubauten in der EU verbindlich – unabhängig davon, ob sie öffentlich oder privat realisiert werden. Spätestens zu diesem Zeitpunkt wird die Ökobilanzierung zu einem genehmigungsrelevanten Kriterium. Für die Branche bedeutet das einen klaren Perspektivwechsel: Material- und Konstruktionsentscheidungen müssen künftig nicht nur technisch und wirtschaftlich, sondern auch hinsichtlich ihrer CO₂-Wirkung über den gesamten Lebenszyklus bewertet werden.

Das auxalia Förderprogramm: LCA mit Revit & One Click LCA

Vor diesem Hintergrund hat auxalia das Ökobilanz-Förderprogramm ins Leben gerufen und selbst 100.000 Euro in die Hand genommen. Ziel war es, Planungsbüros, Bauunternehmen und Ingenieurbüros frühzeitig dabei zu unterstützen, sich methodisch, organisatorisch und technisch auf die kommenden Anforderungen vorzubereiten und gemeinsam Erfahrungen zu sammeln. Dabei ging es bewusst nicht nur um den Zugang zu einer Software, sondern um den nachhaltigen Aufbau von Kompetenzen und Prozessen, die eine dauerhafte Integration der Ökobilanzierung in den Arbeitsalltag ermöglichen. Das Förderprogramm war auf eine Laufzeit von einem Jahr angelegt und startete mit einer Initialisierungs- und Einrichtungsphase. In dieser Phase wurden gemeinsam die individuellen Anforderungen der teilnehmenden Organisationen analysiert, die Software One Click LCA eingerichtet und das Revit-Plug-in integriert. Erste Revit-Modelle wurden gezielt in die LCA-Umgebung überführt, um von Beginn an mit realen Projekten zu arbeiten und eine gemeinsame Arbeitsgrundlage zu schaffen.

Im weiteren Verlauf bildeten regelmäßige Gruppen-Jour-Fixes das inhaltliche Rückgrat des Programms. In diesen Terminen wurden jeweils konkrete Themenschwerpunkte behandelt und durch Live-Vorführungen ergänzt. Ein besonderer Fokus lag dabei auf der frühen Entwurfsphase, in der grundlegende Entscheidungen mit großer Auswirkung auf die spätere CO₂-Bilanz getroffen werden. Mithilfe des Carbon Designers konnten bereits in frühen Planungsstadien unterschiedliche Materialien, Bauweisen und Gebäudekonzepte miteinander verglichen werden, auch ohne detaillierte Modelle. Dadurch wurde deutlich, wie früh Nachhaltigkeitsaspekte sinnvoll in Entscheidungsprozesse integriert werden können.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Arbeit mit firmeninternen Konstruktionen. Viele Büros greifen auf bewährte Bauteilaufbauten zurück, die über Jahre hinweg entwickelt wurden. Im Förderprogramm wurde gezeigt, wie sich solche Konstruktionen in One Click LCA abbilden und organisationsweit verfügbar machen lassen. Ergänzend dazu beschäftigten sich die Teilnehmenden mit Umweltproduktdeklarationen. Neben der Nutzung der umfangreichen bestehenden Datenbank wurde vermittelt, wie eigene EPDs erstellt, hochgeladen und intern oder öffentlich verwendet werden können.

Auch die Anbindung an BIM-Prozesse spielte eine zentrale Rolle. Der IFC-Import ermöglicht es, Mengen direkt aus Open-BIM-Modellen zu übernehmen und für CO₂- sowie Lebenszyklusanalysen zu nutzen. Der integrierte IFC-Viewer sorgt dabei für Transparenz und Nachvollziehbarkeit der Berechnungen.

Abgerundet wurde das Förderprogramm durch die Überlegung gemeinsamer Entwicklungen von Stufenplänen zur Einführung der Ökobilanzierung im Unternehmen – von ersten Pilotprojekten bis hin zur systematischen Anwendung in der Breite.

Feedback der Teilnehmenden: Die Verpflichtung zur Ökobilanzierung kommt – und an ihr führt kein Weg vorbei.

Das Feedback der Teilnehmenden zeigte deutlich, dass die Ökobilanzierung zunehmend als kommunikatives Instrument verstanden wird. Besonders hervorgehoben wurde der Mehrwert in der frühen Kommunikation mit Bauherrinnen und Bauherren. Die grafischen Auswertungen und Vergleichsdarstellungen in One Click LCA ermöglichen es, komplexe Zusammenhänge verständlich darzustellen und Varianten nachvollziehbar zu vergleichen. Nachhaltigkeitsentscheidungen lassen sich so faktenbasiert und transparent vermitteln, was die gemeinsame Entscheidungsfindung erheblich erleichtert.

Diese Einschätzung bestätigte sich auch im Abschluss-Webinar des Förderprogramms, in dem mehrere Referenzprojekte vorgestellt wurden. Das Architekturbüro Aukett + Heese zeigten materialbezogene Variantenuntersuchungen, das Bauunternehmen Leonhard Weiss berichteten über bewusste Entscheidungen für CO₂-optimierte, teilweise kostenintensivere Lösungen, und das Ingenieurbüro Dahlem testete erstmals die Anwendbarkeit der Ökobilanzierung in spezialisierten Bereichen wie der Siedlungswasserwirtschaft. Besonders prägnant fassten Herr Houben und Herr Tchekourda von Aukett + Heese den Nutzen zusammen:

„One Click LCA liefert schon in der Entwurfsphase belastbare Daten, um eine nachhaltige Strategie aufzubauen und den Weg zur angestrebten Zertifizierung bis in die Ausführung effizient zu optimieren.“

Die Aussage macht deutlich, dass LCA nicht als nachträgliche Pflicht verstanden werden sollte, sondern als durchgängige Entscheidungsgrundlage über alle Projektphasen hinweg.

Ein zentrales Fazit aus dem Förderprogramm lautet daher: Die Verpflichtung zur Ökobilanzierung kommt – und an ihr führt kein Weg vorbei. Wer sich frühzeitig mit der Methodik auseinandersetzt, interne Kompetenzen aufbaut und Bauherren aktiv in den Prozess einbindet, schafft nicht nur regulatorische Sicherheit, sondern auch einen klaren Wettbewerbsvorteil. Referenzprojekte, belastbare Daten und eine souveräne Kommunikation werden in Zukunft entscheidende Faktoren sein. Das auxalia Ökobilanz-Förderprogramm hat gezeigt, dass der Einstieg in dieses Thema nicht nur machbar ist, sondern enorme Chancen für eine zukunftsfähige Planung eröffnet.

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