Revit

Drastische Anpassung beim IFC-Export von Parametern in Revit

Mit einem der vergangenen Updates aus dem Jahr 2023 wurde im IFC-Plugin von Autodesk Revit eine Anpassung integriert, deren Tragweite erst jetzt, mit den erweiterten Anwendungsfällen hervortritt.

Welche Einstellung wurde angepasst?

Der Export von Exemplar- und Typ-Parametern aus Revit mittels „Benutzerdefinierte Eigenschaftssätze…“

Was genau wurde angepasst?

Vor der Anpassung war die Angabe der Entität im PSet obligatorisch und zur Bestimmung an welche Bauteile/IFC-Klassen ein Parameter aus Revit geschrieben wird.

Dabei spielte es keine Rolle, ob sich die nachfolgenden Parametermappings aus einem Revit Typ- oder Exemplar-Parameter zusammensetzen.

Lediglich ein Rudiment aus älteren Tagen mit dem „I“ für Instanz-Parameter (gelb markiert) und dem „T“ für Typ-Parameter blieb erhalten. Aber auch diese Kürzel waren zuletzt ohne nachvollziehbare Auswirkung.

 

HINWEIS: Bei den Parameterpaaren kann „I“ und „T“ wegfallen. Bei der Beschreibung des PSets ist die Angabe für die korrekte Struktur unerlässlich.

Der essenzielle Unterschied besteht nun darin, dass in den neueren Versionen des Revit-IFC-Plugins die Übergabe von Typ-Parametern nur noch mit einer zugehörigen Type-Entität durchgeführt werden kann.

Ein Beispiel zum besseren Verständnis:

  • Es wurden Wände, Fenster und Geschossdecken als Fundament modelliert.
  • In den verschiedenen Elementen wurden verschiedene IFC-Entitäten hinterlegt.
    • Diese sind z.T. aus unterschiedlichen IFC-Schemata (IFC 2×3 oder IFC 4)
      • IfcWindowType und IfcFootingType sind im IFC 2×3 Schema nicht enthalten.
    • Die verschiedenen Elemente wurden mit drei Exemplar- (0x_Instance) und drei Typ-Parametern (0x_Type) versehen und jeweils ein Wert (Exemplar_Test_x; Type_Test_x) hinterlegt.
    • Die PSet´s haben eindeutige Namen, sodass in der IFC erkennbar ist, welche Entität für die Zuordnung gewählt wurde und ob es sich um eine Type- oder Instanz-Entität handelt.

     

Nun wurden Exporte mit der gleichen Model View Definition durchgeführt. Lediglich die verwendete IFC-Version wechselt zwischen IFC 2×3 und IFC 4, um die Problematik herauszuarbeiten.

Export 1:

Schemata: IFC 2×3

Eigenschaftssatz:

Ergebnis:

  • Es kommen bei den Fenstern nur die Exemplar-Parameter an.
  • Bei anderen Entitäten werden keine Parameter ausgegeben.

Export 2:

Schemata: IFC 2×3

Eigenschaftssatz:

ACHTUNG: Eine Besonderheit ist, dass „IfcWindowStyle“ in der IFC-Version 2×3 der Vorgänger zu, der in IFC 4 verwendeten Entity „IfcWindowType“ ist. Dies gilt auch für IfcDoor(Style).

Ergebnis:

  • Es kommen bei den Fenstern Exemplar- und Typ-Parameter an.
  • Bei anderen Entitäten werden keine Parameter ausgegeben.

Export 3:

Schemata: IFC 2×3

Eigenschaftssatz:

Ergebnis:

  • Es kommen IfcSlab(Type), IfcWindow(Style/Type) alle Parameter (Exemplar und Typ) an.
  • Bei IfcFooting(Type) kommen nur die Exemplar-Parameter an, da IfcFootingType im Schemata 2×3 nicht existiert und daher keine Typ-Parameter zugeordnet werden können.

ACHTUNG: „IfcWindowStyle“ greift hier auch für „IfcWindowType“, wie man am PSet-Namen erkennen kann.

Export 4:

Schemata: IFC 4

Eigenschaftssatz:

Ergebnis:

  • Es kommen IfcSlab(Type), IfcWindow(Style/Type) und IfcFooting(Type) alle Parameter (Exemplar und Typ) an.

ACHTUNG: „IfcWindowType“ greift hier auch für „IfcWindowStyle“, wie man am PSet-Namen erkennen kann (vgl. Unterschied zu Export 3!).

Für den Export der Typ-Parameter muss nicht zwingend ein separates PSet angelegt werden. Der Block kann auch wie folgt aussehen:

Es wurden die Instance-Entität und Type-Entität durch ein Komma getrennt, was den gleichen Effekt wie ein eigenes PSet hervorruft.

HINWEIS: Durch die Nutzung von IfcElement bzw. IfcElementType in den benutzerdefinierten Eigenschaften kann das beschriebene Verhalten nicht umgangen werden. Es muss für die gewählte Entity ein Type-Auswahl vorhanden sein.

ACHTUNG: Im genutzten IFC-Viewer wird eine verschachtelte Struktur mit der Instanz- und der Typ-Entität aufgebaut. Dies kann in anderen Viewern abweichen!

Fazit:

Mit dem oben beschriebenen Wissen über den Anwendungsfall lassen sich mit ein wenig mehr Aufwand gleiche Ergebnisse hervorrufen, wie man es aus der bisherigen Anwendung gewohnt war. Zusätzlich bietet die neue Aufschlüsselung Möglichkeiten für einen strukturierteren Export.

Das große Problem ist die Diskrepanz zwischen den IFC-Versionen. Diese Unterschiede erfordern eine saubere Einordnung und durchdachte Nutzung der in den jeweiligen Schemata zur Verfügung stehenden Entitäten.

Natürlich muss dies auch übergreifend in AIAs (Auftraggeber-Informations-Anforderung) und BAPs (BIM-Ablauf-Plan) berücksichtigt werden!

Einen Beitrag zu diesem Thema von der Autodesk-Spezialistin Lejla Secerbegovic finden Sie hier.

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